Der Fall Kentsch

Seit Tagen reagiert eigentlich nur ein Thema den ostwestfälischen Blätterwald. Opel? Magna? Wirtschaftskrise? Nein, das alles interessiert den normalen Arminia-Fan nicht, denn wer arbeitet hier schon für Opel. Vielmehr gibt es nur ein anderes, sportliches Thema:
Der Abstieg der Arminia und das Gebahren des noch nie sonderlich beliebten Kentsch.
 
Roland Kentsch war noch nie ein Sympathieträger. Viel zu sehr Banker und viel zu sehr von sich überzeugt, ist er ein intelligenter Mensch, der aber mehr Großkotz als Charisma verströmt. Bisher war mir das trotzdem immer egal (Uwe Rappolder mochte ich auch nicht, aber dafür sind die Leute auch nicht angestellt, sie sollen in erster Linie gute Arbeit machen). Ich glaube er hat finanziell wirklich einiges zur Gesundung beigetragen und auf dem Sektor wirklich sehr gute Arbeit für Arminia geleistet. Deshalb war ich auch immer dafür, dass er trotz aller Ecken und Kanten und unsympathischen Seiten, GF Finanzen bei Arminia bleibt, denn, eins war immer klar. Ein zweites Rüdiger-Lamm-Fiasko wollte ich nicht noch mal erleben und das würde es unter dem Sparfuchs ganz bestimmt nicht geben. Damals (98/99) hat Heribert Bruchhagen in letzter Sekunde Geldgeber gefunden, die uns vor dem Lizenzentzug bewahrt haben, weil Rüdiger Lamm gemeint hat, er müsse Geld ausgeben, das es gar nicht gab. Dummerweise haben wir diese Kredite einige zeitlang abbezahlt, weshalb sich Herr Bruchhagen als Lamm-Nachfolger auf dem Managerposten auch keine Freunde in Bielefeld gemacht hat, denn er konnte schlecht teure Spieler kaufen, wo man Altlasten abtrug.
Schon damals wunderte man sich, wie Rüdiger Lamm schalten und walten lassen konnte wie er wollte und ihn keiner bremste. Kein Schwick, kein TvH (damals schon Sportdirektor, kurz danach Trainer). Erst nach Lamms Rauswurf entdeckte man die nichtigen Veträge.
 
Nach dem Weggang Bruchhagens überahm dann unser Sparfuch Kentsch die finanzielle Gesundung. Ein Mann der aus dem Banksektor kam und schon allein deshalb von Anfang an in Kritik stand. Bald kehrte auch Thommy wiedermal als GF Sport auf die Alm zurück und schon sehr schnell wurde klar, dass die beiden sich nicht gut konnten, weil sie natürlich unterschiedliche Auffassungen hatten: TvH wollte Erfolg, Kentsch einen gesunden Verein. Thommy wollte Geld für gute Spieler, Kentsch wollte den Verein in die schwarze Bilanz führen. Beide hatten ihre verständlichen Standpunkte, denn beide würden, sollte es in ihrem Bereich nicht laufen, als erste zur Disposition stehen. Es gab also schon damals erste Anzeichen, dass man sich mehr aneinander rieb, statt miteinander. Ob das förderlich oder nicht war, sei dahingestellt, ich glaube ja, dass man durch Reibungen durchaus auch profitiert.
Nach dem Abstieg mit Benno M. war es auch TvH, der stark in der Kritik der Fans stand, weil die Spieler alle Ausstiegsklauseln hatten. Der Fan vergaß darüber jedoch, dass der Spieler sonst nie seinen Vetrag verlängerte hätten. So gab's wenigstens eine kleine Ablösesumme. Aber wie auch Bruchhagen brauchte der Fan einen Buhman für seinen Frust und Kentsch war (noch) nicht greifbar genug.
 
Nachdem Thomas von Heesen in der nächsten Saison der Coup mit Rappolder gelang (wäre es schief gelaufen, hätte er seinen Stuhl geräumt), ging's dann erstmals richtig ab. TvH und Rappolder waren in der eindeutig besseren Position gegen einen Kentsch der das Geld zusammenhielt. Für gewöhnlich glaube ich, dass es bei Disputen zumeist so ist, dass jeder sein Teilchen zu beiträgt und so mag es auch dieses Mal so gewesen sein, aber das war nicht der springende Punkt. Wer nun Recht hatte oder  nicht, wer richtig oder falsch gehandelt hat, das weiß ich nicht (ich glaube jedenfalls, dass TvH, so sypmathisch ich ihn auch finde, auch nicht  fehlerfrei oder der Messias ist). Problematisch wurde das ganze, weil mit TvH jemand ging, der mittlerweile beliebt und erfolgreich war und Unterstützung bei den Fans fand und sich vielleicht auch deshalb traute Kentsch paroli zu bieten, der immer mehr an Macht erlangte.
Mit TvH ging nicht nur ein Arminie, sondern das Gleichgewicht verloren. Rieb man sich vorher aneinander und brachte vielleicht so das beste zustande, so kamen nun Leute, die vielleicht zu lieb waren. Ein Reinhard Saftig musste sehr viel, teilweise auch unsachliche Kritik, einstecken. Wohlwissend, dass er keiner ist, hatte man ihn wahrscheinlich auch deshalb eingestellt, weil er niemals dreckige Wäsche in der Öffentlichkeit waschen würde. So bekam er den Hass der Fans ab, wenn es mal nicht so lief.
 
Kentsch geriet aber langsam aber sicher wegen anderer Dinge immer mehr unter Druck.
1. Er bekleidete neben dem Amt des Geschäftsführers nämlich auch einen Posten im Aufsichtsrat, d.h. dass er sich und seinen Posten quasi selbst kontrolliert.
2. Kentsch zeigte immer wieder in Interviews Anwandlungen keine Kritik zugeben zu können und Kritiker mit einem leichten Schmunzeln abkanzeln zu können.
Züge die man bei Politikern auch öfter beobachtet, wenn sie an die Macht kommen. Mögen sie vorher  auch heere Ziele verfolgt haben erliegen sie dann doch der Macht uns verlieren die Bodenhaftung.
 
Bis letzten Samstag war ich trotzdem noch der Meinung, dass es reichen würde ihn nur in der Macht zu beschneiden, ihm endlich den Aufsichtsratposten wegzunehmen und ihn  einfach nur Geschäftsführer für Finanzen sein zu lassen. Da versteht er was von und hat nun mal auch Vetrag bis 2012.
 
Nach dem was ich die letzte Wochen las (Drohungen, Umgang mit Mitarbeitern, etc.) muss ich jedoch sagen, dass Herr Kentsch im Sinne des Vereins entlassen werden muss.
1.  Wer so mit Mitarbeitern umgeht sollte entlassen werden.
2.  Fehlende Selbstkritik kann nicht zur einer Umwandlung der Haltung führen.
3.  Die Außendarstellung ist für Fans und Sponsoren fatal, ein Festhalten könnte bittere Konsequenzen haben.
 
Manche Menschen machen sich ihre Verdienste selber kaputt, indem sie sich in guten Zeiten einfach zu sehr überschätzen und maßlos werden.
Man nennt es auch die Todsünde Gula: Völlerei (Gefräßigkeit, Unmäßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht)

30.5.09 17:30

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